Die Dokumentation

Jetzt konnte der wichtigste Teil unserer Expedition beginnen, die Dokumentation von Kamenice, in der Hoffnung das Material in unserer Zeit auswerten zu können und im Vergleich mit unseren historischen Aufzeichnungen Rückschlüsse auf eventuelle Fehler in der Zeitlinie zu ziehen. Dann sah unser Plan vor eventuell eine dritte Expedition in das Jahr Zweitausendundsieben zu schicken, um Auffälligkeiten nach der Auswertung genauer zu untersuchen und schließlich den Fehler im Jahre Eintausenneunhundertundvierundachtzig zu beheben.
Da wir diesmal nicht offiziell in Kamenice eincheckten, um dort eine Woche zu wohnen und dabei unter dem Vorwand Vermessungen zu machen uns an die Fersen von Adam Bernau hefteten, ging die gesamte Operation ohne Zwischenfälle von statten. In wenigen Stunden hatten wir die wichtigsten Orte, wie etwa den Teich, Adams Geburtshaus, seine Schule und einige andere Gebäude aufgenommen, so dass lediglich der Marktplatz blieb. Karas und ich inspizierten diesen zu Fuß und mussten feststellen, dass neben zahlreichen Renovierungsarbeiten das Hotel zum Löwen verschwunden war. Stattdessen hatte sich die Stadtverwaltung in dem Gebäude eingerichtet. Das war zwar ungewöhnlich, aber musste noch nicht zwangsläufig von einer Beschädigung der Zeitlinie herrühren.

"Wollen wir mal jemanden nach dem Hotel zum Löwen fragen?"

"Besser nicht, Karas, wir haben den Auftrag so wenig wie möglich mit der Bevölkerung zu interagieren."

Als der Techniker einen traurigen Blick auf den Supermarkt in unserem Rücken warf fügte ich hinzu: "Eine Wurst kannst du dir natürlich holen, so lange das niemand außer uns beiden erfährt. Aber unauffällig."

"Na diesmal haben wir ja auch keine Meßlatten, die wir durch die Gegend schleppen müssen."

Wir schafften es die übrige Dokumentation in einer knappen Stunde abzuschließen und machten uns dann wieder auf den Weg, um Katja und Michal abzuholen. Die beiden waren auch erfolgreich, denn es war ihnen gelungen Libellen, Bienen und ein Eichhörnchen in den dafür vorbereiteten Stasiskammern zu lagern.
Die zwei darauffolgenden Tage verbrachten wir damit ausreichend viele Tiere für eine Repopularisierung an den verschiedensten Orten im Bayrischen Wald einzusammeln, um den dortigen Bestand an keiner Stelle zu sehr auszudünnen. Auch das Wohnen in der Pension bereitete uns nicht so viel Probleme wie bei der letzten Expedition und als der Tag der Abreise gekommen war, gelang es mir sogar so zu bezahlen, als hätte ich mein bisheriges Leben immer mit Geld zu tun gehabt.